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Vermögensungleichheit leicht gesunken - bleibt auf hohem Niveau

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Stand: 20.08.2026 • 11:27 Uhr

Die Vermögensungleichheit in Deutschland ist laut einer aktuellen Studie seit der Finanzkrise nicht größer geworden - sie ist sogar leicht gesunken. Trotzdem sind Vermögen hierzulande ungleich verteilt.

In Süddeutschland sind die Vermögen höher und gleichmäßiger verteilt als in anderen Teilen Deutschlands. Die geringsten Vermögenswerte sind in Ostdeutschland zu beobachten, was unter anderem an einer geringeren Wohneigentumsquote liegt. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) hervor, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet. "Für die individuelle Vermögensbildung der Mittelschicht spielt der Erwerb von Wohneigentum noch immer eine zentrale Rolle", heißt es in der Studie.

Gleichzeitig ist die relative Ungleichheit der Vermögensverteilung in Deutschland seit der Finanzkrise 2008 leicht zurückgegangen. Laut Studie ist die Vermögensungleichheit zwar von Ende der 90er Jahre bis zur Finanzkrise 2008 gestiegen, seither sei die Entwicklung jedoch leicht rückläufig. Als Gründe nennen die Autoren unter anderem die kräftigen Zuwächse bei den Realeinkommen und die gesunkene Verschuldung vieler Bürger durch die Niedrigzinsphase nach der Krise.

Hohe Vermögensungleichheit bleibt bestehen

Denn die nominalen, aber auch die realen Vermögen sind in Deutschland demzufolge in allen Vermögensbereichen über die letzten 15 Jahre gestiegen. Und das trotz inflationsbereinigter Rückgänge während der Hochinflationsphase in den Jahren 2022 und 2023.

Und auch der Anstieg der mittleren realen Vermögen in Deutschland fällt im europäischen Vergleich überdurchschnittlich stark aus. Die Durchschnittsvermögen sind überdurchschnittlich hoch. Gleichzeitig ist das Medianvermögen, welches die Bevölkerung in zwei gleich große Hälften teilt, eher gering. Das ist ein Hinweis auf eine dennoch eher hohe Vermögensungleichheit.

Wahrnehmung und Realität

Die laut Studie gesunkene Vermögensungleichheit steht im Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung: 81 Prozent, also vier von fünf Bürgerinnen und Bürgern, sind der Meinung, der wirtschaftliche Wohlstand im Land sei ungerecht verteilt. Nur 15 Prozent halten den Status quo für gerecht.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap für die ARD-Aktion "Deine Meinung zählt!", bei der im April bundesweit 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren befragt wurden.

Größere Ungleichheit in Ländern mit Sozialsystemen

Die IW-Studie stellt allerdings auch fest, dass die Ungleichheit im europäischen Vergleich hoch bleibt. Dies sei auch in anderen Ländern mit ausgeprägten Sozialsystemen wie in Skandinavien der Fall. "Ein Muster, das sich in vielen einkommensstarken Wohlfahrtsstaaten mit unauffälliger Einkommensungleichheit und umfassender sozialstaatlicher Absicherung zeigt", heißt es in der Studie. Denn in diesen Ländern ist die Notwendigkeit, privat vorzusorgen, geringer als in einem Land wie England oder den USA, wo es kaum staatliche Sozialleistungen gibt.

Gleichzeitig werden die Ansprüche an die Sozialversicherungen - wie die Rente - in Ländern wie Deutschland in den Statistiken nicht als Vermögen erfasst. Würden diese berücksichtigt, wäre die Ungleichheit in Deutschland spürbar geringer, heißt es.

Regionale Unterschiede bleiben

Besonders groß sind dem Bericht zufolge die regionalen Unterschiede. So sei das durchschnittliche Nettovermögen in den süddeutschen Bundesländern mit 442.100 Euro mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie im Osten Deutschland mit 169.100 Euro. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut IW, dass die Menschen in den ostdeutschen Ländern erst 1990 mit der Vermögensbildung beginnen konnten.

Statt einer stärkeren Belastung von Reichen rät das IW dazu, den Vermögensaufbau für breite Schichten der Bevölkerung zu fördern, etwa durch niedrigere Steuern und Gebühren beim Immobilienkauf.

Auch VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt spricht sich gegenüber der SZ gegen "politische Eingriffe" aus, wie es eine Vermögen- oder Erbschaftsteuer wären. "Wir sprechen hier über Produktivvermögen, die in Unternehmen gebunden sind - nicht über private Luxusgüter", sagte er.

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