Original source (on modern site) | Article images: [1]
„Wir müssen auf die Schwachen aufpassen", sagt Moise in dem kleinen als Kirche adaptierten Raum in Marpod, einem kleinen rumänischen Ort in der Nähe von Sibiu, der europäischen Kulturhauptstadt 2007. Er ist ein ehemaliges Straßenkind aus Bukarest. Pfarrer Ignatius und Pater Georg Sporschill am Altar mit einer Ministrantin und einem Messbesucher. Die Messe, bei der Moise redet, leitet ein anderes rumänisches Straßenkind. Ignatius Sutel, der nun als Chorherr des Stiftes Klosterneuburg (NÖ) in der Wiener Pfarre Floridsdorf seit zwei Jahren als Priester wirkt. Moise weiß, wovon er redet. Er war das erste Straßenkind des Jesuitenpaters Georg Sporschill. Dieser hat in Wien in den 1980-er-Jahren die Obdachlosenhilfe samt „Canisibus" begründet. Vor über 30 Jahren, kurz nach dem Ende der kommunistischen Diktatur in Rumänien, ist Sporschill dorthin gegangen, um am Bahnhof in Bukarest Kinder aus den Straßen und Kanälen der Stadt aufzulesen. Die Ärmsten der Armen, verlassen und missbraucht. Bettler und Diebe. Drogenabhängig, ohne Aussicht auf eine Zukunft. Wie Moise. Und auch Ignatius, heute Priester in Wien. Ignatius Sutel als Straßenkind mit anderen Straßenkindern in Bukarest bei einem Besuch von Kardinal Franz König. Moise und Ignatius - das Treffen zweier Straßenkinder im Sozialprojekt Elijah, das Sporschill in Siebenbürgen mit Ruth Zenkert und vielen Helferinnen und Helfern und vor allem Spenderinnen und Spendern seit 2012 für vergessene Roma-Kinder aufgebaut hat, gehört zu jenen Blitzlichtern, die Sporschill immer weiter machen lassen. Georg Sporschill, Ignatius Sutel, Ruth Zenkert, Hund Simba Obwohl die Wege der beiden unterschiedlicher nicht sein könnten. Moise landete immer wieder auf der Straße, auch im Gefängnis. Und jetzt bei Elijah. Ignatius Sutel - mit 32 Jahren ein Spätberufener - ging ins Stift Klosterneuburg, studierte an der Hochschule in Heiligenkreuz und wurde 2015 zum Priester geweiht. Sein Vater war ein hoher Kommunist, mit dem Zusammenbruch des Regimes hat die Familie alles verloren, Ignatius landete auf der Straße - und in den guten Händen von Georg Sporschill. 2024 hat ihn das Stift nach einiger Zeit in Meidling und sieben Jahren in Korneuburg nach Floridsdorf geschickt. „Mir ist die Seelsorge wichtig", sagt der Geistliche, der jeden Tag in seiner Pfarre Hausbesuche macht und „24 Stunden am Tag bereit" sei - bereit für Anrufe, Gespräche, Hilfe. Er sieht sich weder als konservativ - wie manche seiner Studienkollegen - noch als progressiv. „Ich bin ein Priester der Mitte, man muss aber auch Grenzen setzen", sagt er auf der Fahrt in ein Roma-Dorf in Rumänien, wo er sich ein Bild über die Situation in seinem Heimatland verschafft: „Dass sich das Stift in Rumänien so engagiert, ist eine gute Sache und sehr wichtig." Das kann Andreas Gahleitner, Wirtschaftsdirektor des Stiftes Klosterneuburg, unterstreichen. Er fährt seit über 20 Jahren regelmäßig zu den Projekten von Pater Georg nach Rumänien und sagt - bei allen immer noch bestehenden Problemen: „Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie sich die Situation auch positiv entwickelt hat." Alleine für die Projekte von Elijah in der Region um Marpod hat das Stift bisher 890.000 Euro gespendet, in das von Sporschill ursprünglich gegründete Projekt Concordia, über das Moise und Ignatius Hilfe erfahren konnten, sind bisher über 6,2 Millionen Euro geflossen. Spenden kann das Projekt Elijah auch darüber hinaus gut brauchen - zwei Millionen Euro braucht es allein, um die laufenden Kosten abdecken zu können. „Die Spendenbereitschaft hat etwas abgenommen", sagen Ruth Zenkert und Georg Sporschill. Dass nicht allen Kindern in Rumänien, ja, nicht einmal in Siebenbürgen, geholfen werden kann, bremst das Engagement nicht. Auch nicht, dass Alkoholismus unter den Männern weit verbreitet ist, der immer noch in Gewalt gegen Frauen und Kinder mündet. „Wer nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt", verweist Sporschill auf einen Leitsatz, der seine und die Arbeit seines Teams prägt. So zieht Sporschill Tag für Tag positive Bilanz: „Die Menschen, die wir betreuen, brauchen viel Kraft, aber sie geben noch viel mehr." Die „Rechnung" gehe sich emotional immer gut aus, sagt Sporschill, und Ruth Zenkert ergänzt: „Moise ist eine dieser Personen, wegen denen wir das machen." Das zeigt sich beim Lokalaugenschein in der Roma-Siedlung Tichendeal, wo Vassili, ein 24-jähriger Bursche, stolz sein neues Haus präsentiert. Er dient anderen Kindern in der Siedlung als Vorbild, wo es nun langsam aber doch „normal geworden ist, dass Eltern ihre Kinder in die Schule schicken". Was in anderen Roma-Siedlungen noch lange nicht der Fall ist. Maria-Minodora auf der Gitarre mit Kindern des Sozialprojekts Elijah. Das gilt auch für Maria-Minodora - als Kind im Sozialprojekt Elijah aufgefangen, kehrte sie als Pädagogin und Musiklehrerin in die Musikschule des Vereins in Nou zurück und ist über hundert Kindern Vorbild und Lehrerin zugleich. Genauso wie Daniel, der durch die Gemeinschaft als Kind gestärkt seinen Weg zum Musiklehrer bei Elijah gefunden hat. Rund 1.000 Menschen sind bei Elijah in Betreuung - vom Baby über Kindergarten- und Schulkinder bis zu den Wohn- und Frauenhäusern oder den Studierenden, die in Sibiu bei Bogdan, dem Leiter der Casa Francisc, leben: „Wir schaffen hier ein Zuhause, in dem sie ihre Zukunft aufbauen. Ich hoffe, dass viele als Ärzte oder Mechaniker in ihre Dörfer zurückkehren." Und so trifft auch zu, was Moise zu Fronleichnam bei der von Ignatius Sutel und Georg Sporschill gelesenen Messe „gepredigt" hat: „Wenn wir uns für andere einsetzen, hat unser Leben einen Wert für die Ewigkeit." Die Reise erfolgte auf Einladung des Stiftes Klosterneuburg. Spenden: Projekt Elijah, P. Georg Sporschill SJ. IBAN: AT66 1630 0001 3019 8724.Von der Straße aufgelesen
Von der Straße ins Kloster
Grenzen setzen
Gut angelegtes Geld
Probleme allgegenwärtig
Vorbilder für Roma-Kinder